Neues zur Herkunft von Joseph Größer:
Nach sehr langer Suche hat Herr Friedel
Hedrich im Sommer letzten Jahres den Geburtsort von Joseph Größer
gefunden.
Es handelt sich um den Weiler Gischlewies, der zur Gemeinde Jerzens
im Pitztal in Tirol gehört.
Joseph ist das 6. von 8 Kindern und wurde am 30.12.1702 in der Pfarrkirche
Wenns im Pitztal getauft.
Tatsächlich lautet der Familienname in Tirol
Grieser, womit sich die Vermutung von Herrn Helmut Jung, siehe
unten, bestätigt.
Die Eltern von Joseph waren Michael Grieser und Magdalena, geb. Turner;
der Großvater hieß Laurentius Grieser; der Urgroßvater
Albuinus.
Friedel Hedrich hat zu der Familie Größer/Grieser und zu seiner Suche nach der
Herkunft bei der Bezirksgruppe Oberhessen der Hessischen familiengeschichtlichen
Vereinigung einen interessanten Vortrag gehalten.
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Bisheriger Text der Seite:
Es ist sehr wahrscheinlich, daß alle oberhessischen Größer/Gröser auf eine Person zurückgehen.
Die erste Erwähnung des
Namens findet sich im KB Großen-Linden am 17. November1726:
zu
Lindes sponsaliter copuliert Joseph Größer,
Michael Größers von Eschlowieß auß Tyrol ehelicher Sohn, ein Mäurer
Gesell, sich bey 7 Jahr in hiesiger Gegend aufhaltend, mit Catharina Margaretha,
Andreas Hahns nachgelassene Tochter.
Der Sterbeeintrag zu ihm lautet:
Joseph
Größer Maurermeister allhier, ist Donnerstags den 13ten Dec: Morgens um 9. Uhr
gestorben, und Freijtags darauf als den 14ten ejusd: begraben worden. Seines
Alters 82. Jahr 8. Monate und 20. Tage.
Leich
Text: Psalm XC. v. 10. - 11.
Unser
Leben währet Siebenzig Jahr; und wenns Hoch kommt sind Achzig Jahr; und wenns köstlich
gewesen ist, so ists Mühe und Arbeit gewesen: denn es pp.
Er ist demnach etwa am 24. März 1699 geboren. Er kam katholisch hierher, wurde zwangsläufig hier evangelisch.
Joseph Größer war mit Sicherheit der erste Maurermeister in Linnes, er ist bestimmt mit mehreren anderen Maurern aus Tirol in die hiesige Gegend gekommen. Der Bau von Steinhäusern begann damals, oft auf Druck der Herrschaft, erst sehr zögernd und oft gegen den Widerstand der Dorfgemeinschaften, z. B. Lützellinden, wo es noch 1743 nach dem großen Brand einen regelrechten Aufstand gab, als der Landesherr den Bau von Steinhäusern anordnete.
Maurer aus Tirol hatten wohl schon lange mit Steinen gemauert. Sie sind aus vielen Orten Oberhessens überliefert.
Die Herkunft des Joseph Größer versuchen schon seit mehreren Jahren Helmut Jung aus Lützellinden und Friedel Hedrich aus Günberg zu klären, bisher erfolglos. Ein Ort namens Eschlowieß in Tyrol ließ sich bisher nicht finden.
In Tirol gibt es den Namen Grieser, ein Größer
ist bisher nicht bekannt. Es ist allerdings gut möglich, daß Joseph
mit Nachnamen Grieser hieß. Der
Pfarrer machte dann beim Eintrag, den er möglichst in Hochdeutsch aufschreiben
wollte, als Joseph
Grieser sich vorstellte, aus dem vermeintlichen oberhessischen "grisser"
das hochdeutsche "Größer"
(Vermutung von Helmut Jung, die ich gut nachvollziehen kann).
Zur Klärung der Herkunft des Joseph
Größer können vielleicht folgende, in Linnes auftretende Paten hilfreich
sein, falls ihre Herkunft zweifelsfrei zu klären ist:
I. 1727, bei Sohn Wilhelm Thomas:
wie
dann auch der Jung Gesell, Joh. Thomas Sandler Bürger und Maurer in Wetzlar.
(Thomas
Sandeler, Bürger und Mäurer in Wetzflar.)
II. 1730, bei seiner Tochter Maria
Catharina:
Meister
Joh. Paulus Kürschner Joh. Franciscus Kürschners Ehelich nachgelasener Sohn,
auß Lönns in Tirohl (Paulus Kirschner ein Tyroler zu Watzenborn wohnend).
Zu ihm findet sich bei Dr. Faber, "Die Auswärtigen in Watzenborn-Steinberg von 1600 bis 1807" unter Nr. 126: Kirschner, Paulus, katholisch; aus Tirol; Maurermeister; *e 1698, # 17.4.1745; "hat sich 28 Jahre in Stbg aufgehalten."
Diese beiden Maurer sind möglicherweise
zusammen mit Joseph Größer aus Tirol
in unsere Gegend gekommen.
Das Ehepaar Joseph
Größer und Catharina Margaretha Hahn hatte 5 Kinder, 4 Söhne und eine
Tochter. Überraschend für die Zeit ist, daß alle 5 Kinder das heiratsfähige
Alter erreichen und eigene Familien Gründen.
Der älteste Sohn Wilhelm
Thomas, 28. Oktober 1727 bis 2. November 1806, Chausseeknecht und Maurermeister, heiratet
zweimal in Großen-Linden und begründet den dortigen Zweig der Familie.
Die einzige Tochter, Maria Catharina, 6. April 1730 bis 12. November 1800, heiratet
den Maurer
und Schweinehirten Johann Conrad Kinzenbach in Linnes, wobei wohl davon
auszugehen ist, daß er das Maurerhandwerk bei seinem Schwiegervater erlernte.
Der Heiratseintrag lautet:
Joh. Conrad Kintzenbach, weyl. Joh. Conrad [!, richtig: Melchior] Kintzenbachs, gewesenen Einwohners in Kll hinterl. ehel. 2. Sohn, so als Mousquetier unter dem löbl. rothen Regiment gestanden, und nachgehends das Maurer-Handwerk erlernt mit
Maria
Catharina, Joseph Größers, Maurers u. Beysaßen ehel. Tochter nach
vorhergegangener stillen Kirchenbuß ob praematorium concubitum, u. erlangter
Heuraths Concession in der Stille ehelich eingesegnet.
Der zweite Sohn Johannes,
3. März 1733 bis 7. Februar 1783, heiratet in Linnes 1754 Anna
Elisabeth Weigel, mit der er eine Tochter hat, die nach 13 Tagen stirbt.
1763 heiratet er als Witwer Anna Elisabeth
Schaum, mit der er 4 Söhne hat. Der älteste verbleibt als Maurer in
Linnes, einer verstirbt als Kind, von zweien ist der Verbleib noch unklar.
Sein Sterbeeintrag lautet:
Johannes
Groeßer, Einwohner, Gemeindsmann und Maurermeister dahier, ist Freitags als den
7ten Februar: des Morgends zwischen 8. und 9. Uhr auf der sogenannten Steinkaut
in seinen Berufe Geschäften, durch einen besonders sich ereignenten Unglücks=
Fall, jämmerlich zerschmettert und mit Erde beschüttet (von einem Stein verschüttet)
worden; Mithin sehr schnell und plötzlich in die Ewigkeit übergegangen. Da er
dann Sonntags darauf als d. 9ten hujus begraben wurde. Seines Alters 49. Jahr,
11. Monate und 3. Tage.
Leich=Text:
Jerem: X. v. 23. et 24.
Ich
weise, Herr, daß des Menschen Thun stehet nicht in seiner Gewalt
Und
stehet in niemandes Macht wie er wandele oder seinen Gang ...
Züchtige
mich Herr: doch mit maße, nicht in deinem Grimm, auf daß du mich nicht
aufreibest.
Der dritte Sohn Johann
Baltzer, Maurer, heiratet nach Annerod und begründet den dortigen Zweig
der Maurerdynastie Größer.
Der jüngste Sohn Johann
Conrad, 19 März 1739 bis 10, April 1766, heiratet nach Leihgestern.
Sein Beruf ist mir nicht bekannt. Im Familienbuch Leihgestern sind 2 Töchter
und 1 Sohn, der in 2 Ehen 7 Töchter und einen mit 22 Jahren
unverheiratet verstorbenen Sohn hat, eingetragen. Der Name Größer
verschwindet deshalb in Leihgestern schnell wieder.
Ansonsten breitet sich die
„Maurerdynastie“ Größer aber
schnell und zahlrich über ganz Oberhessen aus.
Natürlich sind spätere Angehörige
der Familie in Linnes auch in anderen Berufen tätig, z. B. als Schreiner und
als Orts- und Polizeidiener.
Den Namen Größer
gibt es heute noch als „offiziellen“ Nachnamen in Linnes, auch der Dorfname Größersch ist noch gut bekannt.
Der dtv-Atlas Namenkünde nennt den
Namen Größer nicht. Sollte er
richtig überliefert sein, ist er sicher aus einem Übernamen nach Körpermerkmalen
entstanden.
Grieser könnte ebenfalls ein Übername nach körperlichen Merkmalen sein, würde dann aber aus Gries-haar, grauhaarig, Greis, abgeleitet, was allerdings aus dem niederdeutschen Sprachgebrauch und nicht aus Tirol stammt.
Am 07.09.1874 wanderte Johann Ludwig Größer mit seiner Familie nach England aus. Auch dessen Bruder Johann Friedrich ging mit seiner Familie nach England. Dort wurde der Name "Größer" (wieder?) zu "Greaser, Creaser, Creser". [Nach Informationen von Frau Hiltrud Wagner und Herrn Mike Hardcastle.]